Flucht, Treck, Russen-Einmarsch, Rückkehr  Flucht, Treck, Russen-Einmarsch, Rückkehr    


     Erlebnisbericht von Maria Prull, geb. Eckwert, Oberkunzendorf

  • Die Front rückt näher  --  Die Russen kommen!
  • 19. März 1945, Josefstag  --    Treck ins Ungewisse
  • Ukrainerin Marianne verabschiedete sich
  • Unser Vater und Herr Lechelt kamen vom Volkssturmeinsatz zurück.
  • Ende Mai/Anfang Juni 1945 Rückfahrt nach Oberkunzendorf. 
  • Vater ging erst einmal zu Fuß dorthin, um nachzusehen, ob unser Haus steht.
  • Tage später traten wir die Heimfahrt mit unseren Kühen an.

 

Die Front rückt näher     -    Die Russen kommen!

 

In den Wintermonaten Januar und Februar 1945 setzte in Schlesien eine große Flucht ein. Es kamen Pferde-, Ochsen-, Kuhgespanne mit jeweils vollbepackten Wägen, darüber eine Plane gespannt, und flüchteten vor der näher rückenden Ostfront, d.h. vor den Russen. Es zogen immer mehr Flüchtlinge durch unseren Ort.

Jeden Abend mussten sie sich in einem Haus ein Quartier suchen. Sie brauchten Essen, Wärme, ein Dach über dem Kopf und einen Stall sowie Futter für das Vieh.

 

In den Monaten Januar, Februar und März 1945 bangten wir vor dem Einmarsch der „Roten Armee“. Die Front rückte immer näher. Bei Schreibendorf und Gläsendorf, etwa 7 km von uns entfernt, verschanzten sich die Russen. Die Front kam zum Stillstand, der mehrere Wochen andauerte. Nun hatten wir Hoffnung geschöpft, dass wir vielleicht doch in unserem Heimatort bleiben könnten und der Krieg zu Ende ginge.

Im Februar hatten wir wieder einmal Einquartierung für einige Tage: ein Leutnant mit mehreren Soldaten. An der Front war es ruhig.

 

Für den Sonntag wünschten sich die Landser von meiner Mutter ein „richtiges Essen mit Braten, Klößen und Kraut“. Der Leutnant musste vormittags zur Lagebesprechung ins Schloss Oberkunzendorf kommen. Als er zurückkehrte, ließen es sich die Soldaten gerade gut schmecken.

Danach kam aber sofort die Ernüchterung, als der Leutnant ihnen erklärte, sie müssten sich zum Gegenangriff rüsten und die Russen zurückschlagen. – Die Stimmung trübte sich sofort.

 

Der Einsatz geschah dann in den nächsten Tagen, und es wurde ein schwerer Kampf. Nach ein paar Tagen kamen noch einmal zwei Soldaten bei unseren Eltern vorbei und erzählten von ihren verwundeten Kameraden, die sie nach Münsterberg ins Lazarett gebracht hatten.

Ein Landser – ein fröhlicher Mann – hatte sein Augenlicht durch die Verwundung verloren, andere waren schwer verwundet oder gefallen.

Die beiden Landser mussten nach kurzer Pause auch wieder zurück an die Front bei Schreibendorf. Ob sie überlebt haben?

 

Unser Vater war zum Volkssturm einberufen worden und musste in Lauenbrunn Dienst tun. Die Volkssturmmänner waren ältere oder zum Teil sehr junge Männer, fast noch Schüler mit 15 bis 17 Jahren. Sie sollten die Panzersperren am Ortseingang und –ausgang bewachen und im Falle eines Angriffs diese mit Balken verschließen. (Diese Panzersperren bestanden aus zusammengenagelten Baumstämmen.)

Später erfuhren wir, dass die Russen diese Sperren mit ihren Panzern entweder niedergewalzt haben oder diese querfeldein einfach im Bogen umfahren haben.

 

Einige Zeit vorher (es war wohl im Februar 1945) wurde auf Befehl das Vieh vor der herannahenden Front aus dem Ort abgetrieben. Auch bei uns wollten Männer (unser Nachbar Hecker und ein paar Fremde) die Kühe rausholen, doch unsere Mutter widersetzte sich und sagte ihnen, sie werde selbst mit den Kühen trecken, zwei brauche sie zum Einspannen und die dritte zum Vorspannen. Als Antwort bekam sie von unserem Nachbarn, sie (meine Mutter) werde das noch bereuen.

Der Abtransport war fürchterlich. Die Kühe rannten durcheinander, manche rannten weg, eine Kuh sogar auf den zugefrorenen Schneidergut-Teich. Dort rutschte sie auf dem Eis aus und stürzte. Wir konnten gar nicht zusehen, waren nur froh, dass wir unsere Kühe doch noch hatten retten können.

Unsere Kühe waren später unsere Ernährer, denn von der guten Milch konnten wir Quark und etwas Butter herstellen. Jeden Morgen gab es einen Teller Milchsuppe.

 

Dann vergingen wieder ein paar Wochen. Die Russen sollten zurückgedrängt werden. Sie leisteten aber weiter Widerstand und auch Angriffe.

Unsere bange Frage: „Werden unsere Soldaten den Vormarsch der Russen aufhalten können“?

 

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19. März 1945   -   Josefstag       -         Treck ins Ungewisse

Es kam der Wehrmachtsbefehl zum Verlassen des Ortes Oberkunzendorf
 

Einen Tag zuvor (18. März 1945) erhielten wir per Wehrmachtsbefehl die Aufforderung, am 19. März 1945 (Josefstag) bis mittags 12 Uhr unseren Ort zu verlassen. Einquartierte Flüchtlinge müssten bis 10 Uhr fort.

Wir hatten die letzte Nacht eine Flüchtlingsfamilie mit Pferd und Wagen bei uns einquartiert.

Der Flüchtlingsmann half uns noch, unseren Wagen fertigzumachen. Er zimmerte aus Dachlatten ein Gerüst auf unseren Wagen. Dann holte meine Mutter Strohseile, die für die nächste Getreideernte bereitlagen, und wir schlichteten diese auf das Lattengerüst. Dann wurden sie mit einer Wäscheleine festgebunden und verschnürt. Schnell wurde das nötigste Gepäck auf dem Wagen verstaut. Um 12 Uhr hatten wir endlich unseren Wagen fertig und es ging los. Es war nichts organisiert, jeder fuhr los wann und wie er konnte und wohin er wollte.

Unsere Ukrainerin Marianne[i] und ich (noch keine 12 Jahre alt) machten uns mit unserem Kuhgespann und vollgeladenem Wagen auf den Weg nach Münsterberg. Meine Mutter wollte mit dem Fahrrad nachkommen. Sie wollte noch etwas auf das Fahrrad laden und mitnehmen.

Wir fuhren mit dem Kuhgespann über den Kochberg nach Münsterberg, über die Wallstraße (Ringstraße) und stießen dort auf einen langen Treck. Am Stadtausgang von Münsterberg hinter einer Panzersperre teilte sich die Straße. Wohin? Mutter hatte uns mit ihrem Fahrrad noch nicht eingeholt. Kein Wunder, die Straßen waren voll mit Flüchtlingen, dazwischen Wehrmachtsautos.

Wir fuhren an der Straßengabelung nach rechts, d.h. in Richtung Olbersdorf.

Ein Stück weiter, blieben unsere Kühe stehen. Sie konnten nicht mehr, sie hatten sich die Hufe wundgelaufen. Chaos überall!

Plötzlich kam unsere Mutter mit ihrem Fahrrad nach.

Sie hatte einen großen Schrecken bekommen, denn sie hatte uns bis zu der Gabelung der Straßen hinter Münsterberg noch nicht eingeholt. Einem Volkssturmmann an der Panzersperre war unser Wagen mit der „tollen Strohbedachung“ aufgefallen. Er konnte deshalb meiner Mutter unseren eingeschlagenen Weg weisen.

 

Mutter konnte durch gutes Zureden die Kühe stückchenweise weiterbewegen bis nach Olbersdorf. In der Schule war ein Massenquartier auf Strohlager auf dem Fußboden eingerichtet.

Die Kühe mit dem Wagen musste meine Mutter zu einem auf einer Anhöhe gelegenen Gut (Pfarrhof?) bringen. Der Anstieg war aber so steil und der Weg so ausgefahren, dass nur die Wehrmacht mit ihren Pferden vorspannenn und helfen konnte. Das Pferde- und unser Kuhgespann passten im Tempo gar nicht zusammen. Dann passierte es, meine Mutter rutschte von dem seitlichen Hang ab und stürzte vor das Vorderrad unseres Wagens.

Als sie dann später auch in das Schulgebäude kam, konnte sie kaum noch laufen. Ihr Knie war dick angeschwollen. - Wie sollte es morgen nur weitergehen?

 

Am nächsten Tag kläglicher Versuch weiterzukommen. Meine Mutter mit verbundenem Knie und großen Schmerzen, unsere Kühe mit wundgelaufenen Hufen. Wir mussten in Bärwalde unbedingt wieder auf die Hauptstraße Richtung Frankenstein kommen.

Durch einen glücklichen Umstand trafen wir einen hilfsbereiten Mann, der mit 2 Pferden (ohne Wagen) daherkam. Wir spannten die Kühe aus, und er spannte seine beiden Pferde vor unseren Wagen. Er nahm uns mit bis nach Zadel. Mutter kam mit den Kühen nachgetrieben.

Von dort aus fuhr ich mit dem Fahrrad weiter und versuchte, mich bis zu meinem Onkel Paul in Tarnau bei Frankenstein durchzufragen. Ein Glück, dass mein Onkel zu Hause war, denn noch einige Tage zuvor war er beim landwirtschaftlichen Einsatz in der Nähe von Neisse. Onkel Paul nahm den Traktor und holte unseren Wagen von Zadel nach Tarnau.

Zu allem Unglück hatten die Kühe unseres Onkel die „Maul- und Klauenseuche“. Wir haben unsere Kühe dann in einem Verschlag im Schuppen (von Onkel Paul eiligst zusammengezimmert) untergestellt.

 

Nun folgten einige für uns ruhigere Wochen. Die Front lag immer noch bei Gläsendorf/Schreibendorf. Das Frühjahr kam und das Feld hätte wieder bestellt werden müssen. Unsere Mutter fuhr ein paarmal mit dem Fahrrad von Tarnau über Frankenstein und Münsterberg zurück in unseren Heimatort Oberkunzendorf (ca. 25 km).

In unserem Haus durfte sie nicht übernachten, denn die Wehrmacht kontrollierte die Häuser. So hat sie im Bienenhaus übernachtet und unser Hund Karo, der noch dort war, hat vor der Bienenhaustür Wache gehalten. Meine Mutter hat noch Futterrüben gesät. Aber die Einschüsse in unserem Ort kamen immer näher.

 

Einmal, als sie wieder mal in unser Haus zurückkam, erlebte sie eine große Überraschung. Die Haustür stand offen und die Verdunkelung in der Küche war hochgezogen. Sie traf unseren Vater. Er war auch mit dem Fahrrad von Lauenbrunn (vom ca. 15 km entfernten Volkssturmlager) hierher gekommen, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung sei.

Sie konnten wenigstens einiges besprechen. Postverkehr im Frontgebiet gab es nicht, schon gar kein Telefon.

Ich war jedesmal froh, wenn meine Mutter wieder zu uns nach Tarnau zurückkam.

 

Am 7. Mai 1945 war Mutter wieder mit dem Fahrrad in Oberkunzendorf. Wir merkten das Herannahen der Front. Die Wehrmacht zog sich zurück. Wir überlegten, wo wir uns verstecken könnten. Mutter war nicht da und ich bekam richtig Angst. Wir erwogen, mitsamt den Kühen in den Wald zu flüchten. Eventuell wollten wir uns im unterirdischen Rüben-Keller im Garten verstecken. Die Einstiegsluke würden die Russen vielleicht nicht finden, wenn wir sie mit Reisig oder Stroh abdecken. – Aber vielleicht waren wir in unseren Häusern doch sicherer?

Endlich kam meine Mutter.

 

Am nächsten Tag, am 8. Mai 1945 gegen Mittag kamen die Russen. Erst fuhr nur einer mit dem Fahrrad durch den Ort. Dann kamen immer mehr mit Autos und Geschützen. Ein Geschütz stellten sie im Garten meines Onkels auf, genau über dem unterirdischen Rüben-Keller. – Was waren wir froh, dass wir nicht da unten drinsteckten! Sie brachten das Geschütz auch gleich in Position. Es zielte auf Silberberg. Dort vermuteten sie Widerstand.

Gleich kamen mehrere Russen ins Haus. Es waren junge Soldaten, nur einer war etwas älter. Dieser hielt wohl alle anderen im Auge. Sie setzten sich und ruhten sich erst einmal aus.

Wir sagten ihnen, dass heute der Krieg zu Ende sei. Davon hatten sie noch nichts erfahren. – Sie verhielten sich ruhig, aber in der Nachbarschaft hörten wir Schüsse. Wie wir später erfuhren, war der Nachbar erschossen worden. Von den Fremdarbeitern hatten die russischen Soldaten erfahren, dass er Ortsbauernführer war. Das hat wohl gereicht! Was war schon ein Menschenleben?

 

Am Nachmittag zogen die russischen Soldaten endlich weiter. Dann hörten wir erst, was sich alles im Ort Tarnau zugetragen hat.

In den beiden nächsten Tagen hörten wir immer noch Schießerein im Gebirge. Dort wurde noch bis zum 10. Mai 1945 gekämpft.

Mein Onkel Heinrich, der in Bärdorf den elterlichen Hof übernommen hatte, musste deswegen noch am 10. Mai 1945 bei diesen Kämpfen sterben. Er hinterließ seine Frau und 4 Mädchen im Alter von 3 bis 7 Jahren.  


[i]  Im Spätsommer 1944, als unser Vater nach Namslau zum „Schanzen“ von Panzergräben musste, schafften Mutter und ich die Arbeit mit unserer Landwirtschaft mit Bienenzucht nicht mehr. Mutter sollte sogar noch bei einer Nachbarin aushelfen, die wohl krank war. So bekamen wir die Ukrainerin Marianne vom Arbeitsamt zugeteilt. Sie sollte je zur Hälfte bei uns und bei der Nachbarin helfen. Marianne war eine gute Seele. Sie hatte oft Heimweh. Von ihren Eltern hatte sie immer noch keine Nachricht.

 


 

Nach dem Kriegsende

 

Es folgte eine schwere Zeit. Wir hatten weder eine Nachricht von meinem Vater noch von meinem Bruder.

Mein Vater war noch nicht vom Volkssturm zurück. Seine Gruppe hatte sich in den letzten Kriegstagen mit Fahrrädern Richtung Gebirge abgesetzt.

Mein Bruder war ausgebildeter Flugzeugführer (Pilot), doch es gab für die Flugzeuge kein Benzin mehr. Wie wir später von Verwandten aus Stralsund hörten, war seine Truppe kurz vor Kriegsschluss nach Berlin zum Erdeinsatz abkommandiert worden. Bei einem Zwischenstop des Zuges in Stralsund konnte er noch auf einen Sprung bei unseren Verwandten vorbeikommen.  

 

Alle hatten Angst! Immer wieder fuhren Russen durch das Dorf und suchten meistens nach Frauen. Oft hatten ehemalige Fremdarbeiter einen Tipp gegeben. Meine Cousine war 19 Jahre alt. Auch sie wurde gesucht. Wir hatten uns schon seit Tagen versteckt.

Eines mittags kamen wieder Russen auf den Hof und fragten meinen Onkel, der allein das Haus und das Vieh hütete, wo die Frauen seien.

Plötzlich hörten wir einen Schuss und meine Cousine sagte zu mir im Versteck: „Jetzt haben sie den Papa erschossen.“ Lange Zeit war es still, doch dann hörten wir Onkel Paul’s Stimme. Wir waren erleichtert.

Nach erfolgloser Hausdurchsuchung zogen die beiden Russen ab. Wir wagten uns nicht mehr aus unserem Versteck.

 

Ukrainerin Marianne verabschiedete sich
 

Eines Tages hörten wir Frauenstimmen auf dem Hof. Es war die Ukrainerin Marianne mit einer Kollegin. Sie wollte sich von uns verabschieden. Die ehemaligen Fremdarbeiter/innen warteten in Frankenstein in einem Sammellager auf ihre Heimreise. Marianne freute sich so sehr. Sie wollte ihre alten Eltern und ihre Heimat wiedersehen. Unsere guten Wünsche sollten sie begleiten. Vielleicht würden wir später einmal etwas von ihr hören. Auf eine Nachricht warteten wir allerdings vergebens. – Ob sie überhaupt in der Ukraine angekommen ist?

 

Mein Vater und Herr Lechelt aus Oberkunzendorf kamen vom Volkssturmeinsatz zurück

 

Etwa 10 Tage nach Kriegsschluss  hörten wir eines nachts Stimmen auf dem Hof. Es waren mein Vater und Herr Lechelt (auch aus Oberkunzendorf). Sie waren vom Gebirge her tagelang zurückgelaufen. Unterwegs waren sie vielen Flüchtlingen begegnet. Jeder versuchte, irgendwie weiterzukommen. Im Straßengraben haben sie Kleidung, Koffer, und beladene Wägen gesehen. Die Pferde dazu hatten ihnen wahrscheinlich die Russen weggenommen.

Wir waren alle überglücklich, dass wir uns lebend wiedergefunden hatten.

  

 

Ende Mai/Anfang Juni 1945 Rückfahrt nach Oberkunzendorf

 

Vater ging erst einmal zu Fuß dorthin, um nachzusehen, ob unser Haus noch steht.

Er wollte an einem Tag hin und wieder zurücklaufen, jeweils 25 km. Am Abend warteten wir sehr lange auf ihn. Wir bangten und hofften!

Sehr spät kam mein Vater doch noch zurück. Er erzählte uns, dass er bis zum Kochberg (zwischen Münsterberg und Oberkunzendorf) gekommen sei. Dann nahm er den Feldweg als Abkürzung zu unserem Dorf. Wir hatten an diesem Weg mehrere Felder.

Er kam nur bis zu Rupprechts Sandgrube. Dort wurde er von einer russischen Streife angehalten und wurde in der Sandgrube festgehalten, wo schon mehrere Privatpersonen warteten. Dann hätte die Streife noch deutsche Soldaten dazugebracht.

Nach langer Zeit des Wartens wäre ein russischer Offizier mit Dolmetscher hinzugekommen und hätte zuerst meinen Vater nach dem „Woher und Wohin“ befragt. Schließlich hat der Offizier meinem Vater geglaubt, dass er sein Haus und Dorf aufsuchen will.

Als Vater von weitem unser Haus hat stehen sehen, ist ihm eine Last von den Schultern gefallen. Das Haus war nicht zerstört, wir könnten also zurückkommen. Nun könnte noch alles wieder gut werden.

 

 

Tage später traten wir die Heimfahrt mit unseren Kühen an.

 

Wir überlegten lange, ob wir durch die Stadt Münsterberg, die voll von Russen war, fahren sollen. Ob sie uns vielleicht die Kühe samt unserer letzten Habe wegnehmen würden?

In Betracht kam eine Ausweichstrecke über Krelkau, Neuhof, Oberkunzendorf. Doch dann verwarfen wir diesen Plan. Wir zweifelten, ob unsere Kühe die weite Strecke von ca. 25 km und dann noch über bergiges Land durchhalten würden. - Sie hielten durch! Wahrscheinlich ahnten sie, dass es heimgeht.

So fuhren wir in Münsterberg über die Wallstraße Richtung Schützenstraße und weiter über den Kochberg nach Kunzendorf. Die Russen hatten unserem Fuhrwerk immer wieder nachgeschaut, uns aber in Ruhe gelassen.

 

So kamen wir am späten Nachmittag in Oberkunzendorf an. Auf der Straße trafen wir zuerst Max Brand, der uns erklärte, dass er jetzt der Bürgermeister von unserem Dorf sei.

Mehrere Familien waren schon zurückgekehrt, manche folgten in den nächsten Tagen. Nur Frau Ortelt im Haus gegenüber vom Bauernhof Rieger aus Oberkunzendorf kehrte nicht zurück.

 


 

 

 

 

 
 

 

 

 

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